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<articleinfo>
<title>
M @ z k ! n 3 n . k u n z t . m2cht . fr3!
</title>
<subtitle>Die Netzkunst und ihr(e) Code(s)</subtitle>
<author>
<firstname>Inke</firstname>
<surname>Arns</surname>
</author>
<affiliation>
	<orgname>hartware medien kunst verein</orgname>
	<address>
	<city>Dortmund</city>
	</address>
</affiliation>
<date>26.2.2002</date>
</articleinfo>
 
<section>

<title>"mezangelle" und "Kroperom"
als künstlerische Appropriationen von Programmiercode 
</title>

<para>
Die oft formulierte These vom <quote>Verlust der Einschreibung</quote>
mit ihrem ausschliesslichen Fokus auf den Oberflächentext als
<emphasis>dem</emphasis> &quot;Text&quot; von Netzkunst bzw. -literatur
geht von einer falschen Fragestellung aus. Es reicht meiner Ansicht nach
nicht aus, hinsichtlich der <quote>Oberflächeneffekte der
Software</quote> von einem <quote><foreignphrase>performative
turn</foreignphrase> graphischer Benutzerschnittstellen</quote> zu
sprechen

<footnote><para><citation>Matussek: 2001</citation></para></footnote>, 

denn diese Sichtweise bleibt zu sehr einer unterstellten Performativität
eben jener Oberflächen verhaftet.  Vielmehr muss man bei der Betrachtung
von Netzkunst- und -literaturprojekten (wie auch bei Software allgemein)
von mindestens zwei Texten ausgehen, einem &quot;Phäno&quot;- und einem
&quot;Genotext&quot;. Die Oberflächeneffekte des Phänotextes, z.B. sich
bewegende Texte, werden durch andere, unter den Oberflächen liegende
&quot;effektive&quot; Texte, den Programmcodes oder Quelltexten,
hervorgerufen und gesteuert.  Man könnte sogar behaupten, dass es sich
bei Programmiercodes um illokutionäre Sprechakte

<footnote><para><citation>John Langshaw Austin: How to Do Things with
Words</citation> (dt.: <citation>Zur Theorie der Sprechakte, Stuttgart
1979</citation>)</para></footnote> 

handelt, insofern, als hier &quot;Sagen&quot; und &quot;Tun&quot;
zusammenfallen, diese &quot;handlungsmöchtigen&quot; Sprechakte also
keine Beschreibung oder Repräsentation von etwas sind, sondern direkt
affizieren, in Bewegung setzen, Effekte zeitigen.
</para>

<para>
Bewegung und Stillstand, Dynamik und Statik, Linearität und
Non-Linearität gehen im Code ein paradoxales Verhältnis ein: Während der
invariable Code als Schrift sich <quote>an einer Geraden [...]
entfaltet</quote>

<footnote><para><citation>Burckhardt 2002, 35</citation></para></footnote>

- laut Burckhardt heisst <foreignphrase>scriptum</foreignphrase> im
  Lateinischen nicht nur Schrift, sondern auch Linie -, dieser Code
somit Linearität und auch eine gewisse Statik verspricht, kann es doch
bereits schon auf dieser Ebene nonlineare, dynamische, zyklische
Zustände geben - und zwar noch bevor eine Oberfläche ins Spiel
kommt, die sich bewegen könnte.  Diese Kopplung von Statik und Dynamik
im Code ist weniger paradox, wenn man mitdenkt, dass es die
Performativität des (statischen, linearen) Textes ist, die den Text zum
Abarbeiten textinterner Rekursionen und Schleifen anhält. Es handelt
sich bei Programmcodes nicht um ein Aufzeichnungssystem von Mobilitäten
oder Dynamiken, sondern um ein &quot;Mobilisierungs-&quot; bzw.
&quot;Immobilisierungssystem&quot;.
</para>

<para>
Die Privilegierung des Programmcodes gegenüber den Oberflächen, der
<foreignphrase>Poiesis</foreignphrase> gegegenüber der
<foreignphrase>Aisthesis</foreignphrase> führt in den
<acronym>ASCII</acronym>-Arbeiten bzw.
<foreignphrase>Codeworks</foreignphrase> von mez, Jodi und Netochka
Nezvanova zu einer Befreiung insofern, als diese Fokussierung auf das
&quot;Virtuell-Unbewusste&quot; eine Ent-Täuschung ermöglicht. Eine
Ent-Täuschung darüber, bzw.  Verabschiedung des Glaubens daran, dass
auch heutzutage nur dann, wenn eine Kamera anwesend ist, Überwachung
stattfindet. Die <foreignphrase>Codeworks</foreignphrase> lenken unsere 
Aufmerksamkeit auf die zunehmende Codiertheit und Programmiertheit unserer 
medialen Umgebung. Sie bedienen sich einer &quot;armen&quot; Schrift im Medium
E-Mail, die aber gleichzeitig im Kontext der Kommandozeile performativ
bzw. ausführbar (<foreignphrase>executable</foreignphrase>) ist. Indem
sie genau mit dieser Ambivalenz von Simplizität und Totalität der
Ausführung arbeiten, verweisen sie auf die potentiell totalitäre
Dimension des algorithmischen Genotextes. 
</para>

</section>
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