1. positiv besetzte idealisierung und
negativ besetzte dämonisierung der usa:
dass das gar im selben möglich ist, dürfte die absurdität
bezeugen.
a. free speech als erster artikel in der verfassung bedeutet keineswegs
eine radikale freiheit. denn dieses liberale recht wurde in seiner geschichte
beispielsweise nur bürgern, sprich männern, zugesprochen.
b. die misshandlung von gefangenen durch
wärter oder mitgefangene findet nicht nur in us-amerikanischen gefängnissen
statt (seis in abu graeb oder den staaten selbst). vielmehr ist sie der
gefängnis-, einschliess oder gar der straf-struktur imanent.
c. das kritisieren von den ereignissen
in abu graeb und gleichzeitige fordern von mehr präventiven rechte
für polizeikräfte, sowie der beklagung einer bis jetzt vorhandenen
zu grossen gutgläubigkeit gegenüber 'fremden' (übrigens
aus angst, rassistisch genannt zu werden!) ist am zynischsten.
2. an nr. 1 angeschlossen ist die singuläre zuschreibung von handlungen und eigenschaften an bush und andere republikaner, die eigentlich auf vermeintliche gegenstücke übertragbar sind: unter dem demokratischen clinton wurde ohne un-bevollmächtigung serbien bombardiert. europäische regierungen und gesellschaften zogen mit.
3. news (im sinne von nachrichten und
informationen) entsprechen neuerdings nicht mehr den fakten (der wahrheit?):
selbst wenn eine wahrheit existierte, wäre sie unmöglich vermittelbar
/ über medien zu übertragen. diese diskrepanz ist nicht erst
seit dem fox channel (der für jegliches elektronische medium stehen
dürfte) vorhanden, sondern entspricht dem charakter jedes mediums.
denn dieses beinflusst eine nachricht mit. the medium is the message?
das wort 'information' enthält zudem das "in form" bringen.
information ist immer ein 'im kopf' konstruiertes, in form gebrachtes
und nichts neutrales im sinne von einer als solche verstandenen wahrheit.
4. die letzten 50 jahre brachten soviel
revolutionierung/innovation/entwicklung wie sie nie zuvor existierte.
dies führt zu einer grundlegenden veränderung von gesellschaften
künftiger generationen:
wenn schon dem fortschrittsglauben aufgesessen wird, soll doch bitte wenigstens
anerkannt werden, dass eine solche entwicklung weiter als 50 jahre zurückreicht.
ich behaupte, die annahme der vergangenen paar jahrzehnte als wahnsinnig
revolutionär und die projezierung weiterer entwicklungsprünge,
die ins nicht voraussagbare nirvana führen, innerhalb der kommenden
20 jahre, sind nicht zeitgebunden, sondern dem fortschrittsglauben eingebaut
und somit eigentlich zeitunabhängig und in der zivilisatorischen
geschichte austauschbar.
den sich aus diesen angeblich unaufhaltsambaren fortschritten ergebenden
gedanken, entwicklungsländer müssten unbedingt anschluss an
die computerisierung finden, halte ich für anzweifelbar. er hat mindestens
einen kolonialen touch.
5. massenkommunikation oder 'konnektive
gesselschaften' durch 'vektorbasierte technologie' als grenzüberschreitender
weltenöffner:
die wörter medium, mittel und vermittlung sind miteinander verwandt.
daraus ergibt sich, dass ein medium immer konnektiv wirken kann. der buchdruck
zusammen mit der reformation und der schifffahrt hatte z.b. eine wahnsinnige
konnektive wirkung. das ist also keine eigenschaft von elektronischen
medien, computern oder netzwerken davon.
zudem sollte meiner meinung nach beachtet werden, dass
- erstens diese netzwerke durch die voraussetzung von infrastruktur nicht
so 'frei'/flexibel sind, wie sie z.t. gesehen werden,
- zweitens die bezeichnung von 'vektorbasierter technologie' imaginieren
könnte, computertechnologie vermittle nur verbindend oder brückenschlagend.
mit einer medialen vermittlung ist aber immer auch der aus- und einschluss
von menschen gegeben: menschen bilden durch übereinkünfte ein
wir, zu welchem andere nicht gehören. aber den begriff find ich schon
spannend.
6. kulturclash:
stilisierte probleme zwischen menschen verschiedener kulturen beruhen
nicht etwa auf einer unmöglichkeit, dass verschiedene menschen zusammenleben
könnten. für wahrscheinlicher halte ich etwas wie eine rassistische
grundhaltung oder einen durch das konstruierte wir bestehende anspruch
an dessen bewahrung und der idee der unterwerfung von anderen unter dieses
wir. was, wenn weder ein- noch ausschluss richtig funktionieren? mr. agamben,
do you have an answer?