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[DIR] notes 26-Sep-2004 04:22 -

die fünf grössten lügen des abends, eines niederländischen abends

1. positiv besetzte idealisierung und negativ besetzte dämonisierung der usa:
dass das gar im selben möglich ist, dürfte die absurdität bezeugen.
a. free speech als erster artikel in der verfassung bedeutet keineswegs eine radikale freiheit. denn dieses liberale recht wurde in seiner geschichte beispielsweise nur bürgern, sprich männern, zugesprochen.
b. die misshandlung von gefangenen durch wärter oder mitgefangene findet nicht nur in us-amerikanischen gefängnissen statt (seis in abu graeb oder den staaten selbst). vielmehr ist sie der gefängnis-, einschliess oder gar der straf-struktur imanent.
c. das kritisieren von den ereignissen in abu graeb und gleichzeitige fordern von mehr präventiven rechte für polizeikräfte, sowie der beklagung einer bis jetzt vorhandenen zu grossen gutgläubigkeit gegenüber 'fremden' (übrigens aus angst, rassistisch genannt zu werden!) ist am zynischsten.

2. an nr. 1 angeschlossen ist die singuläre zuschreibung von handlungen und eigenschaften an bush und andere republikaner, die eigentlich auf vermeintliche gegenstücke übertragbar sind: unter dem demokratischen clinton wurde ohne un-bevollmächtigung serbien bombardiert. europäische regierungen und gesellschaften zogen mit.

3. news (im sinne von nachrichten und informationen) entsprechen neuerdings nicht mehr den fakten (der wahrheit?):
selbst wenn eine wahrheit existierte, wäre sie unmöglich vermittelbar / über medien zu übertragen. diese diskrepanz ist nicht erst seit dem fox channel (der für jegliches elektronische medium stehen dürfte) vorhanden, sondern entspricht dem charakter jedes mediums. denn dieses beinflusst eine nachricht mit. the medium is the message?
das wort 'information' enthält zudem das "in form" bringen. information ist immer ein 'im kopf' konstruiertes, in form gebrachtes und nichts neutrales im sinne von einer als solche verstandenen wahrheit.

4. die letzten 50 jahre brachten soviel revolutionierung/innovation/entwicklung wie sie nie zuvor existierte. dies führt zu einer grundlegenden veränderung von gesellschaften künftiger generationen:
wenn schon dem fortschrittsglauben aufgesessen wird, soll doch bitte wenigstens anerkannt werden, dass eine solche entwicklung weiter als 50 jahre zurückreicht. ich behaupte, die annahme der vergangenen paar jahrzehnte als wahnsinnig revolutionär und die projezierung weiterer entwicklungsprünge, die ins nicht voraussagbare nirvana führen, innerhalb der kommenden 20 jahre, sind nicht zeitgebunden, sondern dem fortschrittsglauben eingebaut und somit eigentlich zeitunabhängig und in der zivilisatorischen geschichte austauschbar.
den sich aus diesen angeblich unaufhaltsambaren fortschritten ergebenden gedanken, entwicklungsländer müssten unbedingt anschluss an die computerisierung finden, halte ich für anzweifelbar. er hat mindestens einen kolonialen touch.

5. massenkommunikation oder 'konnektive gesselschaften' durch 'vektorbasierte technologie' als grenzüberschreitender weltenöffner:
die wörter medium, mittel und vermittlung sind miteinander verwandt. daraus ergibt sich, dass ein medium immer konnektiv wirken kann. der buchdruck zusammen mit der reformation und der schifffahrt hatte z.b. eine wahnsinnige konnektive wirkung. das ist also keine eigenschaft von elektronischen medien, computern oder netzwerken davon.
zudem sollte meiner meinung nach beachtet werden, dass
- erstens diese netzwerke durch die voraussetzung von infrastruktur nicht so 'frei'/flexibel sind, wie sie z.t. gesehen werden,
- zweitens die bezeichnung von 'vektorbasierter technologie' imaginieren könnte, computertechnologie vermittle nur verbindend oder brückenschlagend. mit einer medialen vermittlung ist aber immer auch der aus- und einschluss von menschen gegeben: menschen bilden durch übereinkünfte ein wir, zu welchem andere nicht gehören. aber den begriff find ich schon spannend.

6. kulturclash:
stilisierte probleme zwischen menschen verschiedener kulturen beruhen nicht etwa auf einer unmöglichkeit, dass verschiedene menschen zusammenleben könnten. für wahrscheinlicher halte ich etwas wie eine rassistische grundhaltung oder einen durch das konstruierte wir bestehende anspruch an dessen bewahrung und der idee der unterwerfung von anderen unter dieses wir. was, wenn weder ein- noch ausschluss richtig funktionieren? mr. agamben, do you have an answer?


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