9. Oktober 2004, 20:43, NZZ Online
Französischer Philosoph Derrida gestorben
(ap) Der weltberühmte französische Philosoph Jacques Derrida ist in der Nacht zum Samstag gestorben. Derrida erlag im Alter von 74 Jahren in einer Pariser Klinik einem Krebsleiden der Bauchspeicheldrüse.
Der Autor von «Die Schrift und die Differenz» (1967) begründete den Dekonstruktivismus. Mit dieser philosophischen Methode versuchte Derrida seine Grundannahme zu lösen, dass es keine absolute Wahrheit gibt. Er zerlegte («dekonstruierte») die Texte in einer Weise, die nicht mehr die eine, «wahre» Interpretation zuliess, sondern mehrere Wahrheiten akzeptierte. Der weisshaarige Querdenker lehrte an berühmten Universitäten in Frankreich und den USA und war über Jahrzehnte einer der einflussreichsten Philosophen.
Zahlreiche seiner Werke wurden auf der ganzen Welt übersetzt. Im Jahr 2001 zeichnete ihn die Stadt Frankfurt am Main mit dem Theodor-W.-Adorno-Preis aus.